Gut gemeint – mehr nicht

FDP-Pressenotiz zum Zeitungsartikel „Tausche Haus gegen altersgerechte Wohnung“ (Stuttgarter Zeitung vom 02.10.2018)

Jeder ernsthafte Vorschlag zur Verbesserung der Wohnungsknappheit und zur Schaffung von altersgerechtem Wohnraum ist begrüßenswert. Dieser Anforderung genügt der Antrag „Wohntausch im Alter“ der SPD-Fraktion im Kornwestheimer Gemeinderat nicht.

Falscher Lösungsansatz: Für die Suche nach altersgerechten Wohnungen im Großraum Ludwigsburg im Auftrag umzugswilliger älterer Hausbesitzer gibt es genügend qualifizierte und leistungsstarke Immobilienmakler und Bauträger. Der Staat – hier die Stadt Kornwestheim – mit völlig anderer Aufgabenstellung wird als weiterer Anbieter nicht benötigt.

Als kleiner lokaler Marktteilnehmer verfügt die Städtische Wohnbau GmbH Kornwestheim über rund 500 vermietete Bestandswohnungen unterschiedlicher Qualität bei sehr geringem Mieterwechsel. Die Warteliste der Wohnbau beinhaltet derzeit ebenfalls etwa 500 gemeldete Wohnungssuchende. Wie hier ein „Wohntausch im Alter“ mit veränderungswilligen Hausbesitzern funktionieren soll, ist nicht nachvollziehbar.

Falsche Zielgruppe: Der SPD-Antrag wendet sich an ältere Menschen, die über ein eigenes und in der Regel abbezahltes Haus verfügen. Diese bereits privilegierte Personengruppe benötigt keine besondere staatliche Hilfe bei der Suche nach seniorengerechtem Wohnraum. Bei der zahlenmäßig deutlich größeren Gruppe älterer Menschen ohne Hauseigentum besteht dagegen ein ständig steigender Bedarf an bezahlbarem Wohnraum. Ein „Wohntausch im Alter“ ist diesen Mitbürgerinnen und Mitbürgern überhaupt nicht möglich. Und: Generell gilt, dass die meisten älteren Menschen - ob Hauseigentümer oder Mieter - so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden leben wollen. Dieser verständliche Wunsch muss trotz Wohnraumknappheit respektiert werden.

Falsche Adressierung: Im Kommentar von Herrn Werner Waldner „Warum der Aufsichtsrat?“ wird zu Recht kritisiert, dass der SPD-Antrag nicht im Gemeinderat diskutiert und entschieden wird. Welche zusätzlichen wichtigen Erkenntnisse soll die Einschaltung des unzuständigen Aufsichtsrats der Wohnbau bringen? Der Sachverstand und die Lebenserfahrung im Kornwestheimer Gemeinderat reichen vollständig aus, um zu erkennen, dass der sicherlich gut gemeinte SPD-Antrag “Wohntausch im Alter“ in dem Aktenordner „Viel Lärm um nichts“ abgelegt werden kann.

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